La Bohème
G. Puccini
Theater Krefeld-Mönchengladbach
Premiere am 12. April 2026
Musikal. Leitung Mihkel Kütson
Regie und Bühne Dennis Krauß
G. Puccini
Theater Krefeld-Mönchengladbach
Premiere am 12. April 2026
Musikal. Leitung Mihkel Kütson
Regie und Bühne Dennis Krauß
Kostüme Raphaela Rose
Dramaturgie Ulrike Aistleitner
Dramaturgie Ulrike Aistleitner
Fotos (C) Matthias Stutte
„Dennis Krauß hat Puccinis berühmte Oper „La Bohème“ in wunderschönen Bildern umgesetzt. Musikalisch, optisch und emotional ist es ein großer Coup. […] Der hier für die Regie ausgewählte Dennis Krauß ist ein junger, aufstrebender und jüngst mit dem renommierten Faust-Preis ausgezeichneter Künstler, der am Gemeinschaftstheater bereits die viel beachtete Produktion „Aida - Der 5. Akt“ in Szene gesetzt hat. […] Krauß ist auch sein eigener Bühnenbildner, sodass Personenführung und Ausstattung sich optimal ergänzen. Der erste und der letzte Akt zeigen das windschiefe, ärmlich eingerichtete Zimmer, in dem Rodolfo, der Schriftsteller, Marcello, der Maler, Schaunard, der Musiker, und Colline, der Philosoph, hausen. Im dritten Akt beherrscht ein abbruchreifes Haus die Szene, in dem Musetta, Marcellos Freundin, mit beharrlichem Freiheitswillen ihrem „Geschäft“ nachgeht. Der zweite Akt schließlich zeigt die weihnachtlich geschmückten Straßen und die Kneipe „Momus“ in Paris – man feiert dort den Heiligen Abend. Farblich geschmackvoll abgestimmte Kostüme (Raphaela Rose) und szenengerechte Lichtregie runden den optischen Eindruck wohltuend ab. […] Diese letzte Szene, die vermutlich niemanden im Opernhaus kalt lässt, zeigt noch einmal, mit welcher Sorgfalt der Regisseur gearbeitet hat. Nachdem der Vorhang gefallen ist, bricht großer Jubel los, und stehend zollt das Publikum allen Akteuren seine Bewunderung."
„Dennis Krauß inszeniert den Opernhit traditionell - das Publikum im ausverkauften Theater Krefeld ist begeistert. […] Bei der ausverkauften Premiere im Jetzt also erlebte das hellauf begeisterte Krefelder Publikum wieder ein expressionistisch-kubistisches, windschief-kraftvolles Bühnenbild. Ein wenig wie früher. Und doch anders.
Puccinis Oper in vier Bildern wurde für das Theater Krefeld und Mönchengladbach vom mehrfach preisgekrönten Regisseur Dennis Krauß inszeniert, der zugleich für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet. […] Krauß und sein Team – die auf historisch getrimmten Kostümen von Raphaela Rose – entschieden sich dafür, den Stoff in eine Art „Fantasiewelt“, als wäre es einem Gemälde entsprungen, ohne doppelten Boden oder Neuinterpretation ganz authentisch an der Geschichte entlang zu erzählen. Statisch wird die Geschichte dadurch nicht. Aber, auf welche Weise auch, modern wirkt die Inszenierung nicht wirklich. Mit wundervoll gemachten großen Bildern, mit einer detaillierten Personenregie, die nicht vor Klischees zurückschreckt, fast überhöht man ein wenig idealtypische Eigenschaften einer „traditionellen“ Inszenierung. Aber genau das muss man handwerklich in dieser Qualität erst einmal realisieren können, der Begriff „Handwerk“ ist hier keinesfalls pejorativ gemeint. Im Gegenteil, allein die märchenhaften Kulissen sind bestes Handwerk. Überhaupt muss man bei italienischer Oper das Handwerk bis in die Haarspitzen beherrschen, damit man das „Handwerk“ nicht spürt. Damit die Szenen, die feinen Nuancen des Spiels so mitreißend gelingen, wie sie intendiert waren."
Christian Oscar Gazski Laki, Westdeutsche Zeitung, 13.04.2026
„Quattro quadri - so lautete 1896 ausdrücklich Puccinis Formel in der Partitur und auf den Theater-Plakaten zu seiner neuen Oper "La Bohème". Jeder Akt ein Bild. Und Dennis Krauß denkt seine neue Krefelder Inszenierung sichtbar aus dieser Perspektive: Schon optisch haust, feiert und leidet die Künstler-WG in der bildenden Kunst des Fin de siècle und der beginnenden Moderne, im kubistisch verschobenen Zimmer-Raum inmitten eines abstrakten Häusermeer-Puzzles à la Paul Klee oder in einer expressionistischen Winterlandschaft, wie sie Paul Cézanne oder Franz Marc dargestellt hätten. Als "Lebenswirklichkeit" der Handlung präsentieren sich Krauß' wunderschöne Bühnenbilder als konkretisierte Perspektiven ästhetischer Konstruktionen von Freud im Leid und Leid als Ende jeder Freud. Den nicht selten plötzlichen Umschwüngen im brillanten Libretto und der noch brillanteren Musik wird das als ein grundsätzlich unwirklicher Rahmen sehr gerecht, in welchem der 2025 mit zwei bedeutenden Musiktheater-Preisen ausgezeichnete Berliner Nachwuchsstar Krauß seine Figuren in schlüssig choreographiertes Leben versetzt - Höhepunkt wohl das zweite Bild mit rötlichen Tönen nach Toulouse-Lautrec und Robert Delaunys "Eiffelturm", vor dem sich ein Massen-Tableau mit Chor als Wimmelbild in und außerhalb des Café Momus entfaltet. […] Aber auch in den Akten klaustrophobischen Rückzugs in die schiefen Wände der Mansarde oder die trostlose Kälte um das windschiefe Vorort-Cabaret herum durchbrechen Kleinigkeiten die bildliche Theater-Illusion: So geht in der abendlichen Liebes-Entdeckung im ersten Bild tatsächlich statt des Mondes die Sonne auf und strahlt auf Mimí in ihrem herrlichen, Osterglocken-gelben Kleid herab. Und im verstört gemalten Winterhimmel umkreisen sich beim zweiten, versöhnenden Liebesduett Rodolfos und Mimís geflügelte Schemen wie zwei weiße Tauben, die dennoch nicht zueinander finden. Das alles ist assoziativ ausgesprochen inspirierend, wie auch die Übertitelungen mit Zitaten zur "Bohème" vor jedem Bild-Beginn als dezente Aufforderung ans Publikum zur Reflexion."
„Was schreibt man als Kritiker zu einer Opernpremiere, wenn es wirklich gar nichts zu kritisieren gibt? […] Für die Inszenierung der Bohème konnte der junge Regisseur Dennis Krauß gewonnen werden, der am Theater Krefeld-Mönchengladbach bereits die Kammeroper Aida – Der fünfte Akt im kleineren Rahmen inszenierte. Im vergangenen Jahr wurde er für seine Inszenierung von Sleepless am Theater Chemnitz mit dem Deutschen Theaterpreis Der Faust in der Kategorie „Regie Musiktheater” ausgezeichnet. Zudem wurde er im selben Jahr mit dem Europäischen Opernregiepreis geehrt. Auch bei La Bohème trifft Dennis Krauß nun genau den richtigen Tonfall. Er inszeniert die Geschichte traditionell in der Zeit um 1900, mit einer klugen Personenführung und einem guten Gespür dafür, die kleinen, intimen Momente der Oper und die großen Bilder geschickt zu verbinden. Darüber hinaus zeichnet sich Dennis Krauß auch für das fantastische Bühnenbild in Form von großen Gemälden verantwortlich, in das viel Liebe zum Detail gesteckt wurde. So gibt es nicht nur einen passend rauchenden Schornstein oder ein paar Tauben, die beim Liebesduett zwischen Mimi und Rodolfo durchs Bild fliegen, auch Schatteneffekte werden immer wieder geschickt eingesetzt. Sei es das Feuer im Ofen, das für die kurze Brenndauer des Papiers ein kleines, orange schimmerndes Licht auf die Künstler wirft oder die Schatten der Darsteller bei Auf- und Abgängen im Treppenhaus zur Dachgeschosswohnung. Wie sagte eine Zuschauerin in der Pause ganz treffend und voller Begeisterung zu ihrer Begleitung: „Wie schön, eine Oper so wie früher.“
Passend sind die Kostüme von Raphaela Rose an das Leben zur Zeit der Jahrhundertwende in Paris angepasst. […] Am Ende des Abends steht somit zu Recht ein fast orkanartiger Jubel des Publikums im ausverkauften Krefelder Theater. Sänger, Sängerinnen, Orchester sowie das Kreativteam wurden bei der Premiere nach rund 2 1/2 Stunden Spieldauer für eine rundum gelungene Produktion gleichermaßen gefeiert. Somit bleibt am Ende eigentlich nur noch die Eingangsfrage zu beantworten. Vielleicht schreibt man einfach: „Was für ein schöner Opernabend! Hingehen und genießen!”