Don Giovanni
W. A. Mozart

Theater Chemnitz
Premiere am 30. Januar 2026

Musikal. Leitung Maximilan Otto
Regie und Bühne Dennis Krauß
Choreografie Maria Ollé-Hercé
Kostüme Christina Geiger
Dramaturgie Carla Neppl
Licht Simon Singer
„[…] das Theater Chemnitz weiß mit dem Meisterwerk zu überzeugen […] Der Regisseur Dennis Krauß hat beide [Mozart und Da Ponte] beim Wort – beziehungsweise bei den Noten – genommen und dabei bewusst darauf verzichtet, den heutigen Moralapostel hervorzukehren, wie man es vielleicht hätte vermuten können. Er wertet und verurteilt nicht, was sich da lustvoll über den ganzen Abend hinweg entfaltet. […] Ein erhobener Zeigefinger, um Giovannis Vielweiberei, sein Triebleben oder seine Sexgier zu kritisieren, ist dabei nicht nötig – denn all das steckt bereits in der Musik, die diese Abgründe auf wunderbare Weise beschreibt. Die Regie hat das überzeugend aufgegriffen und umgesetzt. Dennis Krauß hat zudem das Bühnenbild selbst entworfen und dabei passende, sinnfällige Metaphern entwickelt: Auf der ständig in Bewegung befindlichen Drehbühne geht es unaufhörlich Trepp auf und Trepp ab – ein Bild für das Leben im Allgemeinen und für das von Don Giovanni im Besonderen, als fortwährender Kreislauf aus Höhen und Tiefen. […] Die Körpersprache ist bewusst unnatürlich, teilweise abrupt und stark stilisiert, wodurch das Geschehen auf eine deutlich artifizielle, theatrale Ebene gehoben wird. Dazu passen die spanisch angehauchten Kostüme von Christina Geiger mit ihren knallbunten Farben ebenso wie die Choreografie von Maria Olle-Hercé, die diese Manieriertheit zusätzlich unterstreicht. Über allem schwebt ein fragmentiertes Lichtkreuz, dessen Teile bisweilen auseinanderzubrechen scheinen – deutbar als Symbol einer zerstörten oder vielleicht überholten Religiosität, die Don Giovanni jedenfalls keinen Halt mehr geben kann und für ihn keine gültige Lebensvorstellung darstellt. Also optisch macht das auf jeden Fall ganz schön etwas her.“
Michael Ernst, MDR, 31.01.2026


„Verführung, Männlichkeitswahn – und plötzlich Improvisation: Dennis Krauß‘ Chemnitzer „Don Giovanni“ überzeugt durch kluge Reduktion, starke Sängerinnen und einen spektakulären Rettungsmoment, der Oper lebendig hält. […] Ausverkauftes Haus, Foyers und Garderoben am Anschlag. Gründe gibt es genug. […] Ebenso entscheidend war wohl, wer hier Regie führte: Dennis Krauß, im November mit dem Theaterpreis „Faust“ in der Sparte Musiktheater ausgezeichnet – für sein Chemnitzer Debüt „Sleepless“ von Peter Eötvös. Die Jury sprach von einem „zeitlosen Kunstwerk“, in dem alle szenischen Mittel auf sich selbst verwiesen und das Publikum erleben ließen, was die Figuren erleben. Die Frage lag also nahe: Gelingt ihm das auch bei Mozart? […] Krauß’ minimalistisches Bühnenbild – zwei gebogene rechtwinklige Dreiecke in der Senkrechten, ein schwebendes, illuminiertes Kreuz, sieben Lichtkugeln – bildet eine klare, abstrahierte Spielfläche. Die Kostüme von Christina Geiger folgen einer ebenso schlichten wie hilfreichen Farbenlehre. […] Die radikale Reduktion auf das Wesentliche, kaum Requisiten oder Möbel, schärft den Blick für diese Emotionen. Und die Premiere macht als theaterhistorischer Moment für sich genommen deutlich: Auch wenn am Ende niemand als der Urvater aller Giacomo Casanovas und Jeffrey Epsteins gen Hölle stürzt, kann ein Abend jederzeit kippen. Umso beeindruckender, wenn er sich fängt. Das macht Mut, über das Erlebte hinaus, für alle Lebenslagen.
Torsten Kohlschein
, Freie Presse – Chemnitzer Zeitung, 02.02.2026

„[…] Muss man das auch noch gesehen haben? Ja, unbedingt! Das liegt in erster Linie an der Inszenierung von Dennis Krauß, der 2025 den Deutschen Theaterpreis „Faust“ für seine Regie in der Chemnitzer Oper „Sleepless“ (Eötvös) gewann und dieses Niveau erneut bestätigt. Die Handschrift ist unverkennbar: Fast die ganze Zeit dreht sich das abstrakt gehaltene Bühnenbild – Treppen, Wände und Schrägen in kräftigem Rot –, wodurch alle auf der Bühne in Bewegung bleiben müssen, um nicht gleich wieder zu verschwinden. Sie nehmen Mozarts Rhythmus auf, fast puppenspielerhaft. Nur Don Giovanni (dandyhaft: Thomas Esso) pfeift darauf, so wie er insgesamt die Regeln im streng katholischen Sevilla des 16. Jahrhunderts mit Füßen tritt. Die formale Strenge dieser Zeit findet sich auch in den Kostümen (Christina Geiger) wieder, jedoch klar und aufgeräumt wie das Bühnenbild. Kein unnötiges Schmuckwerk, dafür knallige Farben – hier wird auf den ersten Blick klar, wer wohin gehört. 
Über allem thront ein fragmentiertes Neonkreuz, das ähnlich gebeutelt wird wie die Würde der Frauen, die Don Giovanni als Eroberung sammelt wie andere Briefmarken. Sein Diener Leporello führt akribisch Buch: mal jung, mal alt, im Sommer die Dünnen und im Winter die Dicken. Mal freiwillig bezirzt und mal mit sexueller Gewalt. Alles ein Spaß, zumindest für Don Giovanni, uneinsichtig bis zum Schluss. Wer da an die Missbrauchs-Akten der vergangenen Jahre denkt, liegt nicht ganz falsch.
Am Ende sind es die Frauen, die zerrissen sind zwischen Liebe und Lust, Verletzungen und Werten. Ihre Partien sind durchweg hinreißend gespielt und gesungen von Akiho Tsujii (Donna Anna), Paula Meisinger (Donna Elvira) und Fernanda Allande (Zervina).
Eine spektakuläre Inszenierung!

Andreas Hummel, Chemnitzer Morgenpost, 
02.02.2026